Histaminintoleranz/Histaminunverträglichkeit – was ist das überhaupt?

Bei einer Histaminintoleranz bzw. Histaminunverträglichkeit vertragen die Betroffenen keine stark histaminhaltigen Lebensmittel, da der Körper nicht in der Lage ist Histamin im Körper schnell genug oder richtig abzubauen. Für den Abbau von Histamin (und anderen biogenen Aminen) ist das Enzym Diaminoxidase (DAO) an der Darmwand zuständig ([01], [02]). Bei unzureichender Aktivität dieses Enzyms kann Histamin im Körper nicht richtig abgebaut werden. Auch die Darm­flora produ­ziert Histamin, besonders dann, wenn es zu einer Fehl­besiedlung des Darms (Dysbiose) mit schädlichen Mikro­organis­men kommt. Störungen der Darmflora (z.B. durch Antibiotikagabe, siehe Artikel Antibiotika-assoziierte Diarrhö) führen außerdem zu Funktionseinschränkungen der Darmzellen. Eine Folge dessen (und ebenfalls Ursache für eine Histaminunverträglichkeit) kann eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmwand sein (Leaky Gut Syndrom) oder eine Dünndarmfehlbesiedlung.

Was sind die Symptome?

Wird Histamin aufgrund eines oder mehrerer der oben genannter Faktoren nach der Zufuhr in den Darm nicht rechtzeitig und effizient abgebaut, kann es nach dem Durchtritt durch die Darmwand in nahezu allen Körperzellen Reaktionen auslösen [03]. Dies führt zu allergieähnlichen Symptomen. Die Symptome sind dabei sehr vielfältig. Es kann z. B. zu Reaktionen auf der Haut kommen: Viele Betroffene leiden unter Juckreiz und die Haut erscheint gerötet. Außerdem kommt es häufig zu Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Weitere Symptome bei einer Histaminintoleranz betreffen den Magen-Darm-Trakt. Es kommt zu Magenschmerzen, Krämpfen, Durchfall oder Blähungen.

Was ist hilfreich?

Zunächst sollte man histaminhaltige Lebensmittel weitestgehend meiden. Es gibt einige Lebensmittel, die einen hohen Histamingehalt aufweisen und daher besser vom Speiseplan entfernt oder wenigstens reduziert werden sollten. Dies betrifft vor allem Gärung-, Reifungs- oder Fermentationsprodukte. Die folgende Histamin Lebensmittelliste bietet einen guten Überblick über histaminhaltige Lebensmittel und auch histaminarme Lebensmittel: http://www.histaminintoleranz.ch/downloads/SIGHI-Merkblatt_histaminarmeErnaehrung.pdf Wer nicht gänzlich auf histaminhaltige Lebensmittel verzichten möchte, sollte berücksichtigen, dass vor allem der Darm eine große Rolle bei einer Histaminintoleranz spielt (und auch bei anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten). Durch eine ausgeglichene Darmflora wird die Histaminproduktion durch den Darm reguliert und die Histaminausschüttung positiv beeinflusst (reduziert). Das Histamin-abbauende Enzym DAO (Diaminoxidase) wird unter anderem im Darm produziert. Die Aktivität des Enzyms DAO kann durch  den pH-senkenden Einfluss der Milchsäurebakterien beeinflusst werden, wodurch die Aktivität zunimmt und mehr Histamin enzymatisch abgebaut werden kann.

Probiotika und Histaminintoleranz

Bei einer Histaminintoleranz haben sich Probiotika als hilfreich erwiesen, um die Darmflora zu unterstützen und ins Gleichgewicht zu bringen. Probiotika wirken regenerierend auf die Darmflora [04]. Eine gesunde Darmflora schützt die Darmschleimhaut und beugt so dem Leaky-Gut-Syndrom vor. Besonders die beiden probiotischen Stämme Bifidobacterium longum und Bifidobacterium infantis haben durch Ihre histaminsenkende Wirkung einen positiven Einfluss auf die Histamintätigkeit. Studien belegen, dass Bifidobacterium infantis und Bifidobacterium longum Reaktionen unterdrücken, die durch HDC* (Histidin-Decarboxylase)  und dem H1 Rezeptor** ausgelöst werden. Die beiden Bakterien sorgen für eine Abnahme von HDC und des H1 Rezeptors sowie des Histamingehaltes [05]. Bekannt ist zudem, dass alle Bifidobakterien und auch die Lactobazillen Lactobacillus gasseri, Lactobacillus rhamnosus und Lactobacillus salivarius nachweislich kein Histamin produzieren. [06] In Kombination mit einem Präbiotikum wird das Wachstum der bereits bestehenden „guten“ Bakterien angeregt. *HDC: ein Enzym, welches die Aminosäure Histidin mittels einer Decarboxylierungsreaktion (=Abspaltug von CO2) zu Histamin abbaut. Auch viele Bakterien erzeugen dieses Enzym. **H-Rezeptor: Der Histamin-H1-Rezeptor vermittelt die wichtigsten der bekannten allergieartigen Wirkungen des Histamins.