Streptococcus thermophilus (Schleifer et al 1995) ist ein kugelförmiges Milchsäurebakterium, grampositiv und fakultativ anaerob. S.thermophilus toleriert also Luftsauerstoff und kann ohne ihn Energie (ATP) durch Fermentation von Zucker erzeugen. Dabei erzeugt es auch Milchsäure und Bacteriocin, um sich ein wachstumsförderndes Umfeld zu schaffen (Ivanova et al, 1998)

Streptococcus thermophilus gehört zur Familie Streptococcaceae, zur Orndung Lactobacillales und zur Klasse Bacilli. Es ist unbeweglich und spielt sowohl in der Herstellung von Fermentations-Produkten wie Yoghurt und Käse, aber auch für die menschliche Gesundheit eine große Rolle.

Bei Antibiotika-bedingtem Durchfall kann Streptococcus thermophilus zum Beispiel als Probiotikum eingesetzt werden, um die Symptome schnell zu lindern und es kann vorbeugend genommen werden, um den Durchfall gar nicht erst zustande kommen zu lassen (D’Souza et al, 2002).

Auch in der Säuglingsgesundheit kann Streptococcus thermophilus eingesetzt werden. Dort wurde es in Kombination mit Bifodobacterium bifidum untersucht (Saavedra et al, 1994) und erfolgreich gegen Durchfallerkrankungen und den Befall durch Rotaviren eingesetzt. Auch in Kombination mit Bifidobacterium lactis entfaltet Streptococcus thermophilus seine probiotischen Eigenschaften besonders gut und kann zur Vorbeugung gegen Antibiotika-bedingten Durchfall verabreicht werden (Correa et al 2005).

Ein weiterer möglicher Einsatzbereich von Streptococcus thermophilus kann die Behandlung von Oberflächen sein. In einer Studie aus dem Jahr 1997 von Busscher et al wurden Gummi-Oberflächen mit Streptococcus thermophilus „imprägniert“. Streptococcus thermophilus produziert Biotenside, welche die Anhaftung von Hefepilzen auf Oberflächen verhindert. In der Studie konnte nachgewiesen werden, dass eine Oberfläche, welche mit S. thermophilus imprägniert wurde, weniger Hefewachstum zulässt, als Oberflächen, die „frei“ sind. Ähnliche Effekte werden bei Oberflächen beobachtet, die mit Bacillus Subtilis belegt wurden.

Innovative moderne Hygienemittel, die Oberflächen nachhaltig behandeln sollen, werden heute schon mit probiotischen Bakterien versehen. Vielleicht wird die Hygiene der Zukunft so aussehen, dass wir Oberflächen gezielt mit probiotischen Bakterien imprägnieren, um die Ausbreitung von pathogenen Keimen zu verhindern. Damit würden wir den Großteil der gesundheitsschädlichen Hygienemaßnahmen überflüssig machen.