Lactobacillus reuteri wurde von Kandler et al 1980 als neue Spezies definiert und zu Ehren des deutschen Veterinärmediziners Gerhard Reuter entsprechend benannt (Reuter, 1929-2019, entdeckte unter anderem die Bifidobakterien B. adolescentis, B. breve, B. infantis, B. lactentis, B. loberorum, B. longum, und viele mehr). Lactobacillus reuteri ist Teil der Familie Lactobacillaceae, gehört zur Ordnung Milchsäurebakterien / Lactobacillales, Klasse Bacilli und Abteilung Firmicutes. Das grampositive und anaerobe L. reuteri toleriert zwar Luftsauerstoff, wächst jedoch unter anaeroben Bedingungen und bildet Milchsäure, um sich ein lebensförderliches Umfeld zu schaffen. Es ist stäbchenförmig und unbeweglich, wobei es sich auf der Schleimhaut anheftet und dort durch Teilung ausbreitet.

Neben Milchsäure bildet Lactobacillus reuteri auch einen antimikrobiell wirkenden Stoff, der Reuterin genannt wurde (Talarico et al, 1989). Reuterin wirkt vor allem bei gram-negativen Bakterien, aber auch gegen andere pathogene Keime wie Pilze und Protozoen. Escherichia Coli reagiert ganz besonders empfindlich in der Gegenwart von Lactobacillus reuteri und wird entsprechend gut durch diesen dezimiert (Cleusix et al, 2008). Da etwa die 5fache Menge an Reuterin zur Reduktion für „gute“ Darmbakterien benötigt wird als für „schlechte“ Darmbakterien und die Mehrzahl der guten Darmbakterien Reuterin sehr gut tolerieren, profitiert die Mikrobiom-Zusammensetzung entsprechend von einer Supplementierung mit Lactobacillus reuteri haltigen, probiotisch funktionellen Lebensmitteln.

Lactobacillus reuteri ist mittlerweile ausgiebig erforscht, zumal es im Kot fast aller Säugetiere nachgewiesen werden kann. Dabei wurde festgestellt, dass offensichtlich jede Säugetierart einen jeweils spezifischen Lactobacillus reuteri – Stamm aufweist, wobei innerhalb der Säugetier-Rasse die L. reuteri – Stämme überwiegend gleich bleiben (Molin et al, 1992).

In der Tierzucht wird Lactobacillus reuteri eingesetzt, um das Wachstum der Tiere zu optimieren. Hierbei wurde festgestellt, dass die Verabreichung von Lactobacillus reuteri das Wachstum der Tiere ebenso gut beeinflusst, wie Antibiotika.

Für den Menschen ist Lactobacillus reuteri vor allem deswegen interessant, weil es in der Lage ist, die Zahl der Milchsäurebakterien im Verdauungstrakt sehr schnell zu steigern, was vor allem für die Gesundheit von Kindern eine große Rolle zu spielen scheint (Weizman et al, 2005).

Aber auch Erwachsene profitieren von der Einnahme von Lactobacillus reuteri, was eine Arbeitsplatz-Studie aus dem Jahr 2005 belegt. Hier konnte nachgewiesen werden, dass durch die Verabreichung von Lactobacillsu reuteri die Krankheitstage gesenkt werden können. Zitat aus der Studie:

In der Placebo-Gruppe gaben 26,4% an, während der Studie krankgeschrieben worden zu sein, verglichen mit 10,6% in der L. reuteri-Gruppe.  Die Häufigkeit von Krankheitstagen betrug in der Placebo-Gruppe 0,9% und in der L. reuteri-Gruppe 0,4%.  Von den 53 Schichtarbeitern gaben 33% in der Placebo-Gruppe während des Untersuchungszeitraums an, krank zu sein, verglichen mit keinem in der L. reuteri-Gruppe. (Tubelius et al, 2005).

Nicht nur der Verdauungstrakt ab Magen-Darm-Bereich profitiert vom Lactobacillus reuteri, was eine Studie an der Universität Malmö / Schweden aus dem Jahr 2006 belegt (Krasse et al, 2006). Schon im Mund-Rachen-Bereich zeigt Lactobacillus reuteri seinen Mehrwert für die menschliche Gesundheit, denn sowohl Zahnfleischentzündungen, Parodontose, als auch Zahnbelag konnten durch Lactobacillus reuteri reduziert werden. Ein wirklich ausgezeichneter Kandidat für den Einsatz in der Zahnkosmetik!