Lactobacillus jensenii wurde von Gasser, Mandel und Rogosa 1969 entdeckt und ist mit 23% Anteil einer der in der Scheide der Frau am häufigsten natürlich vorkommenden Bakterien (Nardis et al, 2013). Das stäbchenförmige und grampositive Bakterium gehört zur Familie Lactobacillaceae, Ordnung Milchsäurebakterien / Lactobacillales, Klasse Bacilli und Abteilung Firmicutes.

jensenii toleriert Luftsauerstoff, wächst jedoch unter anaeroben Bedingungen und bildet Milchsäure, Wasserstoffperoxid und ein Protein namens Lactacin F, um sich ein lebensförderliches Umfeld zu schaffen. Dieses Lactacin F reduziert die Vermehrung anderer Lactobazillen und Enterokokken. Außerdem produziert Lactobacillus jensenii Hydrolase, welche die Leber zur Gallensalzproduktion anregen. Hydrolase ist am Fettstoffwechsel beteiligt (Prince et al, 2014) und somit kann Lactobacillus jensenii einen positiven Einfluss im Verdauungsprozess ausüben.

Lactobacillus jensenii kann aufgrund seiner besonderen Eigenschaften auch zur Vaginal-Gesundheit beitragen und sogar vor Geschlechtskrankheiten, bzw. durch Geschlechtsverkehr übertragenen Krankheiten schützen (Nardis et al, 2013).

Ursprünglich wurde angenommen, dass Lactobacillus acidophilus der am meisten im vaginalen Mikrobiom vorkommende gesundheitsförderliche Keim ist. Dies wurde durch eine Studie von Antonio et al, 1999 widerlegt. Es sind Lactobacillus jensenii und Lactobacillus crispatus, die am häufigsten vorkommen und den Großteil des gesunden Mikrobioms des weiblichen Genitaltrakts ausmachen. Moderne Probiotika-Produkte zur Pflege des Vaginal-Mikrobioms könnten idealerweise diese beiden Lactobacillii enthalten.

Lactobacillus jensenii spielt möglicherweise eine Rolle beim Verlauf von Schwangerschaften und könnte dabei helfen, die Anzahl der Fehlgeburten zu reduzieren, welche laut Prince et al, 2014 oftmals die Folge einer Infektion des Vaginaltraktes sind.